Kreidler elektronische Zündung: vom Unterbrecher zur kontaktlosen Zündung
Veröffentlicht am 29. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
Abgebrannte Unterbrecherkontakte, ein Kondensator, der im ungünstigsten Moment aufgibt, und ein Zündzeitpunkt, der sich alle paar tausend Kilometer verstellt: Kein Wunder, dass viele Kreidler-Fahrer auf eine elektronische Zündung umsteigen. Doch welcher Satz passt zu Ihrem Motor, und worauf kommt es beim Umbau an? Wir schauen zuerst in die originalen Ersatzteillisten und danach auf Auswahl und Einbau.
Was ab Werk verbaut war
Die klassische Kreidler hat einen Schwunglichtmagnetzünder von Bosch: Magnete im Schwungrad erzeugen Strom in den Spulen auf der Grundplatte, ein Unterbrecher bestimmt den Zündzeitpunkt. Die Ersatzteillisten zeigen, wie sich das je nach Baureihe unterscheidet.
- Florett Eiertank. Die Werks-Ersatzteilliste nennt den Bosch-Schwunglichtmagnetzünder in Ausführungen mit 17 und 27 Watt, mit Unterbrecherhebel, Kondensator und Zündspule.
- Florett 1963 bis 1978. Die niederländischen Van-Veen-Kataloge führen eine Zündanlage mit 22 Watt: Grundplatte mit Zündspule, Lichtspule, Bremslichtspule, Kondensator und Kontaktsatz (08 16 17). Mit Ausgleichscheiben von 0,1 und 0,2 mm wird die Höhe des Unterbrecherhammers so eingestellt, dass sich die Kontakte vollständig decken. Siehe die Zeichnung der Zündanlage 22 Watt.
- Flory und Mofa. Auch hier ein Bosch-Schwunglichtmagnetzünder mit 17 Watt und Kontaktsatz.
- RS-G und RSH-G ab 1978. Hier ist es anders. Die Ersatzteilliste nennt einen Magnetzündergenerator MHKZ 35/30 W mit Ankerplatte, Schaltgerät (15.12.87) und Polrad. Unterbrecher und Kondensator tauchen nicht auf: Diese RS hatte ab Werk bereits eine kontaktlose Zündung. Siehe die Zeichnung der Zündanlage Bosch 35/30 W.
Die Wattzahlen sind wichtig, denn dieselbe Grundplatte liefert auch den Strom für die Beleuchtung. Darauf kommen wir gleich zurück.
Gründe für den Umbau und dagegen
Was für die Elektronik spricht:
- Keine Unterbrecherkontakte, die abbrennen oder verschleißen, und kein Kondensator, der ausfällt.
- Der Zündzeitpunkt wandert nicht: einmal richtig eingestellt, bleibt er richtig.
- Ein gleichmäßiger Zündfunke, auch bei niedriger Drehzahl, und dadurch oft ein besseres Startverhalten.
Was für den Unterbrecher spricht:
- Originalität. Wer seine Kreidler im Werkszustand erhalten will, behält die Kontaktzündung.
- Eine Unterbrecherzündung bringen Sie unterwegs mit Fühlerlehre und Schraubendreher wieder zum Laufen. Eine defekte Elektronik wird getauscht.
- Ein kompletter Satz kostet mehr als neue Kontakte mit Kondensator.
Welche Sätze es gibt
In unserem Sortiment finden Sie im Wesentlichen drei Arten:
- Kompletter Satz mit Schwungrad, Ankerplatte und CDI-Einheit. Sie tauschen das gesamte System, zum Beispiel mit einem Kokusan-Satz in 6 oder 12 Volt oder mit der DMP-Zündung in Kokusan-Ausführung.
- Elektronische Zündung in Bosch-Ausführung. Sie ähnelt dem Original von außen stärker, zum Beispiel die elektronische Zündung Modell Bosch 6 Volt.
- Einzelteile wie CDI-Zündspule, Spannungsregler oder Kabelbaum, für alle, die schon elektronisch fahren und ein Teil ersetzen müssen.
Fünf Fragen vor der Bestellung
1. Bleiben Sie bei 6 Volt oder wechseln Sie auf 12 Volt? Ein 6-Volt-Satz lässt die übrige Elektrik unangetastet. Ein 12-Volt-Satz bedeutet andere Glühlampen, eine andere Hupe und einen Spannungsregler.
2. Wie viel Leistung braucht Ihre Beleuchtung? Die originalen Grundplatten liefern 17, 22 oder 27 Watt, die späte RS 35/30 Watt. Wählen Sie einen Satz, der mindestens so viel liefert, wie Scheinwerfer, Rücklicht und Bremslicht zusammen brauchen. Sonst wird das Licht schwächer als vorher.
3. Stimmt die Drehrichtung? Manche Sätze werden ausdrücklich als „linksdrehend“ verkauft, etwa für Puch. Nehmen Sie einen Satz, der für Kreidler angegeben ist.
4. Haben Sie den passenden Polradabzieher? Ohne Abzieher bekommen Sie das alte Schwungrad nicht sauber herunter. Viele Sätze sind für einen Bosch-Abzieher ausgelegt; prüfen Sie in der Beschreibung, welches Gewinde der Satz braucht.
5. Hat Ihr Motor Gebläsekühlung? Die Van-Veen-Kataloge nennen bei der 22-Watt-Zündung ein „Schwungrad mit Lüfterrad“ (08 16 22): Das Schwungrad bläst Kühlluft über den Zylinder. Die Van-Veen-Kataloge haben sogar eigene Seiten für den Zylinder gebläsegekühlter und fahrtwindgekühlter Motoren. Bei einem gebläsegekühlten Motor muss auch das neue Schwungrad die Kühlung übernehmen. Dafür gibt es eigene Sätze.
Schritt für Schritt umbauen
- Fotos machen. Fotografieren Sie die vorhandene Verkabelung und notieren Sie, welcher Draht wohin führt.
- Zünderdeckel ab, Mutter lösen. Schwungrad gegenhalten und die Mutter lösen. Bei der Florett ist das laut den Van-Veen-Katalogen eine Mutter M10x1 mit Linksgewinde (00 20 27): Sie lösen sie also im Uhrzeigersinn. Bei anderen Modellen kann das abweichen; schauen Sie in die Zeichnung Ihres Modells.
- Schwungrad mit dem Abzieher abziehen. Niemals mit dem Hammer oder durch Hebeln, sonst beschädigen Sie Kurbelwellenzapfen oder Lager.
- Scheibenfeder prüfen. Das Schwungrad sitzt mit einer Scheibenfeder 3 x 3,7 (DIN 6888) auf der Kurbelwelle. Ist sie beschädigt, ersetzen Sie sie.
- Alte Grundplatte ausbauen. Markieren Sie vorher die Stellung der Grundplatte am Gehäuse. Das ist später Ihr Bezugspunkt.
- Neue Ankerplatte einbauen. Kabel durch die Durchführung legen und die Platte so einsetzen, wie es die Anleitung des Satzes vorgibt.
- CDI-Einheit und Regler montieren. Wählen Sie eine vibrationsarme Stelle und sorgen Sie für eine blanke, feste Masseverbindung.
- Konus entfetten, Schwungrad aufsetzen. Kurbelwellenzapfen und Konus des Schwungrads müssen sauber und fettfrei sein. Ziehen Sie die Mutter nach Angabe des Satzherstellers an.
- Zündzeitpunkt einstellen. Auch eine elektronische Zündung muss im richtigen Moment zünden. Halten Sie sich an den Wert aus der Anleitung und messen Sie mit einer Messuhr im Kerzengewinde oder mit einer Stroboskoplampe.
- Prüfen. Zündfunken kontrollieren, Motor starten, Beleuchtung und Bremslicht testen. Bei 12 Volt die Spannung bei höherer Drehzahl messen: Sie darf nicht immer weiter steigen.
Häufige Fehler
- Keine oder schlechte Masse. Dann arbeitet die Einheit gar nicht oder nur zeitweise. Schleifen Sie die Kontaktflächen blank.
- Regler vergessen. Ohne Regler brennen die Glühlampen bei höherer Drehzahl durch.
- Kurzschlussleitung nicht angeschlossen. In der originalen Verkabelung gibt es eine Kurzschlussleitung (08 13 94), mit der der Motor abgestellt wird. Schließen Sie die Stoppleitung des neuen Satzes nach Schaltplan an, sonst lässt sich der Motor nicht mehr abstellen. Wie Sie einen Schaltplan lesen, steht in Kreidler Schaltplan lesen und Fehler suchen.
- Schwungrad nicht fest genug. Ein loses Schwungrad schert die Scheibenfeder ab und kann den Kurbelwellenzapfen beschädigen.
- Alte Zündspule weiterverwendet. Viele Sätze brauchen eine eigene CDI-Zündspule. Prüfen Sie in der Beschreibung, was zum Satz gehört.
Unsicher, welcher Satz passt?
Schauen Sie zuerst in der Zeichnung Ihres Modells nach, was verbaut ist, und vergleichen Sie die Nummer auf Ihrer Grundplatte. Alle Zündungsteile finden Sie in der Kategorie Beleuchtung & Elektrik. Kommen Sie nicht weiter, schicken Sie uns über das Kontaktformular ein Foto der Grundplatte und die Rahmennummer.
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